Das Waldwagen-Projekt ist ein Angebot der aufsuchenden Jugendarbeit des → VCP (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder Bezirk Hannover e. V.). Wir fahren Kinder an die Naturflächen um Hannover und vermitteln Selbstwirksamkeit.
Unsere Ziele
- Kinder direkt aus dem Wohnumfeld abholen und Natur-Aktionstage anbieten
- Möglichst niedrige Mitwirkungsschwelle (aufsuchendes Angebot)
- Keine rein schulische Wissensvermittlung sondern handlungsorientiertes Engagement
- Identifikation mit den Projektflächen
- Ökologische Aufwertung der Projektflächen
- Verbesserung der Arten- und Biodiversitätskenntnisse
- Aufbau einer Naturverbindung durch Selbstwirksamkeitserfahrungen
- Steigerung der Gruppenidentität durch gegenseitige Besuche und Öffentlichkeitsarbeit
- Regelmäßigkeit der Veranstaltungen
So ging es los
Mit Projektbewilligung am 05.09.2021 konnte die Beschaffung eines Fahrzeugs gestartet werden. Wir wurden bei einem Gebrauchtwagenhändler fündig, der uns ein 27 Jahre altes THW-Fahrzeug anbieten konnte. Der Wagen hat eine Ladefläche von drei Metern mit Plane und Spriegel und verfügt über eine Doppelkabine mit sieben Sitzplätzen. Im November 2021 ging der Wagen dann bei uns in Betrieb.
Bis zum März 2025 konnten wir 50 Veranstaltungen umsetzen.
Im Moment suchen wir nach einer Folgefinanzierung und einem neuen Fahrzeug.
Unsere Zielgruppe
Teilnehmende der Aktionen sind vorwiegend Kinder und Jugendliche aus dem Hannoverschen Stadtteil Badenstedt – Quartier Körtingsdorf. Dort gibt es ein sogenanntes „Gebiet mit besonderem sozialen Handlungsbedarf“ in dem der VCP offene Jugendarbeit anbietet.
Was wir für unsere Zielgruppe erreichen
Für Kinder aus der Siedlung Körtingsdorf bedeutet eine einfache Fahrt zum Kinderwald Hannover-Stöcken, dass sie 45 Minuten mit der Stadtbahn und dann noch 30 Minuten zu Fuß unterwegs sind. Eine Wanderung im nahegelegenen Deister war für unsere Kinder Premiere.
Durch das Fahrzeug hat das Projekt vielen Kindern den Weg in die Natur ermöglicht. Aber durch die vermittelten Herausforderungen und erst recht durch die Begleitung beim Bewältigen dieser Herausforderungen sind die Kinder und Jugendlichen zusätzlich gewachsen. Bei etlichen hat sich eine „Landkarte im Kopf“ gebildet. Ein Landkarte von Flächen, an denen sie die Umwelt gestalten, verbessern konnten und eine Bindung aufgebaut haben. Entscheidend ist für viele die Erfahrung, dass man die Situation gestalten kann.

Am Ende hatten wir rund 60 Kinder auf der Liste. Dazu kamen noch Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus den Stämmen, Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie begleitende Erwachsene.
Wie und wo wir unsere Zielgruppe erreichen
Wesentliches Merkmal der aufsuchenden Jugendarbeit ist der situationsbezogene Ansatz. Im Alltag erleben wir regelmäßig, dass unsere Kinder wenig planen und eher fremdbestimmt durch die Freizeit ziehen. Einige Kinder mit getrennt lebenden Eltern wissen am Donnerstag nicht, bei welchem Elternteil ihr Wochenende geplant ist. Fragen wir das Kind dann beispielsweise, ob es in den Ferien Zeit hat, hören wir: „Nein – da bin ich im Urlaub / bei meiner Tante …“. Oft treffen wir die Kinder dann trotzdem an – die Woche wurde verwechselt. Ein weiteres Phänomen sind Kinder, die wir NUR in den Ferien oder am Wochenende antreffen. Diese Kinder haben einen auswärtigen Wohnsitz, verbringen aber die freien Tage bei der Oma.
Warum Waldwagen?
Die Idee, ein „Waldwagen-Projekt“ anzugehen, resultierte aus drei Erkenntnissen:
- Kinder und Jugendliche sind wochentags ausgebucht. Durch die Ausdehnung der Schultage bis in den späten Nachmittag bleibt wochentags kaum Energie für Freizeit. Die Jugendarbeit muss sich mehr aufs Wochenende konzentrieren.
- Wir möchten den Erfahrungsraum der → Jugendwaldeinsätze unseren Stadtkindern zugänglich machen.
- Die → BfN-Studie 559 – Perspektivwechsel: Naturpraktiken und Naturbedürfnisse sozialökonomisch benachteiligter Menschen zeigte im Jahr 2020, dass „sozialökonomisch benachteiligte Menschen nur über eingeschränkten Zugang zur Natur verfügen. Das gilt besonders für die Bereiche Mobilität und Erreichbarkeit. Zugänge kann aufsuchende soziale Arbeit schaffen“. Angedockt an unser Projekt → MAJA (mobile aufsuchende Jugendarbeit) war damit die Richtung vorgegeben.
Wer steckt dahinter?
Der → Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) arbeitet bundesweit als anerkannter Jugendverband. In der Region Hannover gibt es neben der klassischen Struktur der „Stämme“ auch offene Angebote der Jugendarbeit. Unsere mobilen Angebote arbeiten nach dem Prinzip „Wir sind da, wo Kinder sind“. Es werden Spielplätze, Straßenecken und Grünflächen angesteuert. Neben dem klassischen Spiel- und Kreativangebot finden sich in letzter Zeit mehr und mehr handlungsorientierte Garten- und Umweltprojekte auf der Tagesordnung. Kaum ein Ferienprogramm kommt am Thema Nistkästen vorbei.
Pfadfinderstämme mit festen Gruppen gibt es in Seelze, Berenbostel, Altwarmbüchen, Kleefeld-Buchholz und in Bothfeld. In Badenstedt rollt ein „MAJA“-Gespann mit Trecker und Bauwagen, in Bothfeld fährt das Schraubmobil → „BOTMOB“ und das Jugend-Kindermobil → „JuKiMob“ arbeitet in Ahlem, Garbsen, Mittelfeld und am Kronsberg. Im Bereich Sahlkamp haben wir unseren → Kinder- und Jugendtreff „Kiefernpfad“.
Das Waldwagen-Projekt im BiNeN-Netzwerk
Wir suchen Kooperationspartner in der Region Hannover, um Jugendgruppen und Projektflächen zusammenzuführen.